
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig ihr Armen; denn euch gehört das Reich Gottes. 21 Selig, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. 22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, wenn sie euch ausstoßen, schmähen und euch verleumden um des Menschensohnes willen. 23 Freut euch an jenem Tag und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Indem Er sagt: Selig die Armen, hast du die Mäßigkeit; die sich von der Sünde fernhält, die Welt verachtet, nicht nach eitlen Genüssen strebt. In „Selig, die hungern“ hast du die Gerechtigkeit; denn wer hungert, leidet mit dem Hungrigen, und indem er mit ihm leidet, gibt er ihm, und durch das Geben wird er gerecht, und seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit. In „Selig, die jetzt weinen“ (Ps. 112,9) hast du die Klugheit; das heißt, um die zeitlichen Dinge zu weinen und die ewigen zu suchen. In „Selig seid ihr, wenn die Menschen euch hassen“ hast du die Tapferkeit; nicht die, welche Hass wegen eines Verbrechens verdient, sondern die Verfolgung um des Glaubens willen erduldet. Denn so wirst du zur Krone des Leidens gelangen, wenn du die Gunst der Menschen gering achtest und das suchst, was von Gott ist.