
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
1 Er wanderte an einem Sabbat durch die Kornfelder und seine Jünger rupften Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen davon. 2 Da sagten einige Pharisäer zu ihnen: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht erlaubt ist? 3 Jesus antwortete ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und seine Begleiter hungrig waren? 4 Wie er in das Haus Gottes ging, die Schaubrote, die außer den Priestern niemand essen darf, nahm und aß, und auch seinen Begleitern davon gab? 5 Und er sagte zu ihnen: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.
Nun hielten die Juden dies am Sabbat für unerlaubt, aber Christus stellte durch die Gabe der neuen Gnade die Ruhe des Gesetzes dar, das Werk der Gnade. Wunderbar hat er ihn den zweiten-ersten Sabbat genannt, nicht den ersten-zweiten, weil jener vom Gesetz, das das erste war, gelöst wurde, und dieser zum ersten gemacht wird, der als zweiter verordnet war. Er wird also der Zahl nach der zweite Sabbat genannt, der Gnade des Werkes nach der erste. Denn jener Sabbat ist besser, wo keine Strafe ist, als der, wo eine Strafe vorgeschrieben ist. Oder dieser war vielleicht der erste in der Vorsehung der Weisheit und der zweite in der Sanktion der Verordnung. Nun lag in David, der mit seinen Gefährten entkam, eine Vorausdarstellung Christi im Gesetz, der mit seinen Aposteln dem Fürsten der Welt entkam. Aber wie kam es, dass der Beobachter und Verteidiger des Gesetzes selbst sowohl das Brot aß als es auch denen gab, die bei ihm waren, was niemand essen durfte außer den Priestern, außer dass er durch jenes Bild zeigen wollte, dass das Priesterbrot zum Gebrauch des Volkes übergehen sollte, oder dass wir das Leben der Priester nachahmen sollen, oder dass alle Kinder der Kirche Priester sind, denn wir sind zu einem heiligen Priestertum gesalbt und opfern uns selbst als geistiges Opfer für Gott. (1 Petr 2,5.) Wenn aber der Sabbat um des Menschen willen gemacht wurde und der Nutzen des Menschen erforderte, dass ein Mensch, wenn er hungrig war (da er lange ohne die Früchte der Erde war), die Enthaltsamkeit des alten Fastens aufgab, dann wird das Gesetz gewiss nicht gebrochen, sondern erfüllt.