Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
14 Erfüllt von der Kraft des Geistes, kehrte Jesus nach Galiläa zurück; und die Kunde von ihm verbreitete sich im ganzen Umkreis. 15 Von allen gepriesen, lehrte er in ihren Synagogen. 16 Er kam nach Nazaret, wo er aufgewachsen war. Nach seiner Gewohnheit ging er am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 17 Es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Er öffnete das Buch und fand die Stelle, wo geschrieben stand: 18 Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu entlassen, 19 auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn. 20 Nachdem er das Buch zusammengerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Da begann er, zu ihnen zu sprechen: Heute ist dieses Schriftwort vor eueren Ohren erfüllt worden.
Er las das Buch denen vor, die anwesend waren, um ihn zu hören, aber nachdem er es gelesen hatte, gab er es dem Diener zurück; denn während er in der Welt war, sprach er offen, lehrte in den Synagogen und im Tempel; aber als er in den Himmel zurückkehren wollte, übertrug er das Amt der Verkündigung des Evangeliums denen, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Er las stehend, weil er, während er jene Schriften erklärte, die von ihm geschrieben waren, sich herabließ, im Fleische zu wirken; aber nachdem er das Buch zurückgegeben hatte, setzte er sich, weil er sich selbst auf den Thron der himmlischen Ruhe zurückversetzte. Denn Stehen ist Sache des Arbeiters, aber Sitzen dessen, der ruht oder richtet. So soll auch der Verkünder des Wortes aufstehen und lesen und arbeiten und predigen und sich niedersetzen, d. h. den Lohn der Ruhe erwarten. Aber er öffnet das Buch und liest, weil er den Geist sandte und seine Kirche alle Wahrheit lehrte; nachdem er das Buch geschlossen hatte, gab er es dem Diener zurück, weil nicht alles allen gesagt werden sollte, sondern er übergab das Wort dem Lehrer, damit es nach der Fassungskraft der Hörer ausgeteilt werde. Es folgt: Und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn geheftet.