
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
9 Dann führte er ihn nach Jerusalem, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, stürz dich von hier hinunter; 10 denn es steht geschrieben: Seinen Engeln wird er deinetwegen Befehl geben, dich zu behüten, 11 und: Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. 12 Jesus antwortete ihm: Es heißt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. 13 Als der Teufel mit aller Versuchung am Ende war, ließ er von ihm eine Zeit lang ab.
Das ist wahrlich die Sprache des Teufels, die danach trachtet, die Seele des Menschen vom hohen Grund ihrer guten Werke herabzustürzen, während er zugleich sowohl seine Schwäche als auch seine Bosheit zeigt, denn er kann niemandem schaden, der nicht zuerst sich selbst hinabstürzt. Denn wer die himmlischen Dinge verlässt und irdischen nachjagt, stürzt gleichsam willentlich den selbst gesuchten Abgrund eines fallenden Lebens hinab. Sobald nun der Teufel merkte, dass sein Pfeil abgestumpft war, begann der, der alle Menschen seiner Macht unterworfen hatte, zu denken, er habe es mit mehr als einem Menschen zu tun. Aber Satan verwandelt sich in einen Engel des Lichts und webt oft aus den Heiligen Schriften sein Netz für die Gläubigen: daher folgt: Es steht geschrieben: Er wird geben usw.