Origenes
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
5 Dann führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche der Erde, 6 und er sagte zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie verliehen und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du mich anbetest, soll sie ganz dein sein. 8 Da entgegnete ihm Jesus: Es steht geschrieben: Du sollst dem Herrn, deinem Gott, huldigen und ihm allein dienen.
Oder, um das Ganze in einem anderen Licht zu betrachten. Zwei Könige streiten ernsthaft um ein Königreich; der König der Sünde, der über die Sünder herrscht, das ist der Teufel; der König der Gerechtigkeit, der über die Gerechten herrscht, das ist Christus. Der Teufel, wissend, dass Christus gekommen war, um sein Reich wegzunehmen, zeigt ihm alle Reiche der Welt; nicht die Reiche der Perser und Meder, sondern sein eigenes Reich, wodurch er in der Welt herrschte, wodurch einige unter der Herrschaft der Unzucht, andere des Geizes stehen. Und er zeigt sie ihm in einem Augenblick der Zeit, das heißt im gegenwärtigen Zeitlauf, der nur ein Augenblick im Vergleich zur Ewigkeit ist. Denn der Erlöser brauchte nicht länger die Angelegenheiten dieser Welt gezeigt zu bekommen, sondern sobald Er Seine Augen wandte, um zu schauen, erblickte Er die Sünden herrschend und die Menschen zu Sklaven des Lasters gemacht. Der Teufel sagt also zu Ihm: Bist du gekommen, um mit mir um die Herrschaft zu streiten? Bete mich an, und siehe, ich gebe dir das Reich, das ich halte. Nun wollte der Herr zwar herrschen, aber da Er die Gerechtigkeit selbst ist, wollte Er ohne Sünde herrschen; und Er wollte alle Völker Ihm untertan haben, damit sie der Wahrheit gehorchen, aber Er wollte nicht so über andere herrschen, dass Er selbst dem Teufel unterworfen wäre. Daher folgt: Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten.