
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 4
5 Dann führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche der Erde, 6 und er sagte zu ihm: Dir will ich alle diese Macht und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie verliehen und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du mich anbetest, soll sie ganz dein sein. 8 Da entgegnete ihm Jesus: Es steht geschrieben: Du sollst dem Herrn, deinem Gott, huldigen und ihm allein dienen.
Denn anderswo wird gesagt, dass alle Macht von Gott ist. (Röm. 13,1.) Daher kommt aus Gottes Händen die Verfügung über die Macht; die Begierde nach Macht stammt vom Bösen; die Macht selbst ist nicht böse, sondern der, der sie böse gebraucht. Was also; ist es gut, Macht auszuüben, Ehre zu begehren? Gut, wenn sie uns verliehen wird, nicht wenn sie ergriffen wird. Wir müssen jedoch in diesem Gut selbst unterscheiden. Es gibt einen guten Gebrauch der Welt, einen anderen der vollkommenen Tugend. Es ist gut, Gott zu suchen; es ist eine gute Sache, dass das Verlangen, Gott kennenzulernen, durch keine weltlichen Geschäfte behindert wird. Aber wenn der, der Gott sucht, aus Schwäche des Fleisches und Enge des Geistes oft versucht wird, wie viel mehr ist derjenige ausgesetzt, der die Welt sucht? Wir werden also gelehrt, den Ehrgeiz zu verachten, weil er der Macht des Teufels unterworfen ist. Doch Ehre draußen wird von Gefahr daheim begleitet, und um andere zu beherrschen, ist ein Mensch zuerst ihr Diener und wirft sich im Gehorsam nieder, damit er mit Ehren belohnt werde, und je höher er strebt, desto tiefer beugt er sich mit geheuchelter Demut; daher fügt er hinzu: Wenn du niederfällst und mich anbetest.