
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 3
10 Da fragten ihn die Volksscharen: Was sollen wir also tun? 11 Er antwortete ihnen: Wer zwei Röcke hat, gebe (einen) dem, der keinen hat, und wer zu essen hat, handle ebenso. 12 Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sagten zu ihm: Meister, was sollen wir tun? 13 Er sagte zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch festgesetzt ist. 14 Es fragten ihn aber auch Soldaten: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Begeht gegen niemand Gewalttat und Erpressung, seid zufrieden mit euerem Sold!
(cont. Faust. lib. xxii c. 74.) Denn er wusste, dass Soldaten, wenn sie ihre Waffen gebrauchen, keine Mörder sind, sondern Diener des Gesetzes; nicht Rächer eigenen Unrechts, sondern Verteidiger der öffentlichen Sicherheit. Sonst hätte er antworten können: „Legt eure Waffen nieder, verlasst den Krieg, schlagt niemanden, verwundet niemanden, tötet niemanden.“ Denn was wird am Krieg getadelt? Etwa dass Menschen sterben, die ohnehin irgendwann sterben müssen, damit die Sieger in Frieden herrschen können? Dies zu tadeln ist Sache furchtsamer, nicht religiöser Menschen. Das Verlangen zu schaden, die Grausamkeit der Rache, eine wilde und unbarmherzige Gesinnung, die Heftigkeit der Auflehnung, die Begierde nach Macht und dergleichen sind die Übel, die am Krieg mit Recht getadelt werden, welche gewöhnlich, um dadurch die Gewalttätigkeit derer, die Widerstand leisten, zu bestrafen, von guten Männern entweder auf Befehl Gottes oder einer rechtmäßigen Autorität unternommen und geführt werden, wenn sie sich in jener Ordnung der Dinge befinden, in der sie ihre eigene Lage gerechterweise verpflichtet, entweder selbst eine solche Sache zu befehlen oder zu gehorchen, wenn andere sie befehlen.