
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 24
36 Während sie noch darüber redeten, stand er selbst in ihrer Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 37 Erschrocken und von Furcht ergriffen, meinten sie, einen Geist zu sehen. 38 Da sagte er ihnen: Was seid ihr bestürzt und warum steigen Zweifel in eueren Herzen auf? 39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst! Fasst mich doch an und seht! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht. 40 Als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße.
(Mor. 14. c. 55.) Denn in jener Herrlichkeit der Auferstehung wird unser Leib nicht unfähig sein, berührt zu werden, und feiner als die Winde und die Luft (wie Eutychius sagte), sondern während er zwar durch die Wirkung geistiger Kraft fein ist, wird er auch durch die Kraft der Natur berührbar sein. Es folgt: Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße, an denen tatsächlich die Male der Nägel deutlich sichtbar waren. Aber nach Johannes zeigte er ihnen auch seine Seite, die mit der Lanze durchbohrt worden war, damit er durch die Offenbarung der Narbe seiner Wunden die Wunde ihres Zweifels heile. Aber von dieser Stelle aus erheben die Heiden gerne eine Verleumdung, als ob er nicht imstande gewesen wäre, die ihm zugefügte Wunde zu heilen. Ihnen müssen wir antworten, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass der, von dem erwiesen ist, dass er das Größere getan hat, das Kleinere nicht tun konnte. Aber um seines sicheren Planes willen wollte der, der den Tod zerstörte, nicht die Zeichen des Todes auslöschen. Erstens nämlich, damit er dadurch seine Jünger im Glauben an seine Auferstehung stärke. Zweitens, damit er, indem er den Vater für uns bittet, stets zeige, welche Art von Tod er für viele erduldet hat. Drittens, damit er den durch seinen Tod Erlösten durch das Vor Augen Stellen der Zeichen jenes Todes zeige, wie barmherzig ihnen geholfen wurde. Schließlich, damit er im Gericht erkläre, wie gerecht die Gottlosen verurteilt werden.