Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 24
1 Am ersten Tag der Woche kamen die Frauen im ersten Morgengrauen zum Grab und brachten den Balsam, den sie bereitet hatten. 2 Da fanden sie den Stein vom Grab weggewälzt 3 und gingen hinein, fanden aber den Leichnam des Herrn Jesus nicht. 4 Während sie noch ratlos davor standen, traten zwei Männer in strahlenden Gewändern zu ihnen. 5 Sie erschraken und senkten den Blick zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, sondern er ist auferweckt worden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: 7 Der Menschensohn muss in die Hände der Sünder ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. 8 Da erinnerten sie sich an seine Worte. 9 Sie kehrten vom Grab zurück und verkündeten alles den Elf und allen übrigen. 10 Maria aus Magdala, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus, und die übrigen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln. 11 Doch ihnen kamen diese Worte wie leeres Gerede vor und sie glaubten ihnen nicht. 12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab, beugte sich hinein, sah aber nur die Leinentücher. Voll Verwunderung über das, was geschehen war, ging er heim.
Nach dem mystischen Sinn haben wir durch die Frauen, die früh am Morgen zum Grab kommen, ein Beispiel dafür, dass wir, nachdem wir die Finsternis unserer Laster abgelegt haben, zum Leib des Herrn kommen sollen. Denn jenes Grab trug auch die Figur des Altares des Herrn, worauf die Geheimnisse des Leibes Christi nicht in Seide oder Purpurstoff, sondern in reinem weißen Leinen, wie das, worin Josef ihn wickelte, geweiht werden sollen, damit, wie er für uns die wahre Substanz seiner irdischen Natur dem Tod darbrachte, so auch wir zu seinem Gedächtnis auf den Altar den Flachs legen, rein von der Pflanze der Erde und weiß und auf vielfache Weise durch eine Art Zerdrücken bis zum Tod geläutert. Die Gewürze aber, die die Frauen bringen, bedeuten den Wohlgeruch der Tugend und die Süße der Gebete, mit denen wir uns dem Altar nahen sollen. Das Zurückrollen des Steines deutet auf die Enthüllung der Sakramente hin, die durch den Schleier des Buchstabens des auf Stein geschriebenen Gesetzes verborgen waren; wenn diese Decke weggenommen wird, wird der tote Leib des Herrn nicht gefunden, sondern der lebendige Leib verkündet; denn obwohl wir Christus nach dem Fleisch gekannt haben, kennen wir ihn doch jetzt von nun an nicht mehr. (2 Kor 5,16.) Aber wie, als der Leib unseres Herrn im Grab lag, Engel dabeizustehen gesagt werden, so ist auch zur Zeit der Konsekration zu glauben, dass sie bei den Geheimnissen Christi stehen. Lasst uns also nach dem Beispiel der frommen Frauen, wann immer wir uns den himmlischen Geheimnissen nahen, wegen der Gegenwart der Engel oder aus Ehrfurcht vor dem heiligen Opfer, mit aller Demut unsere Angesichter zur Erde neigen und bedenken, dass wir nur Staub und Asche sind.