
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
50 Ein Mann namens Josef war Mitglied des Hohen Rates; er war ein guter und gerechter Mann, 51 der ihrem Beschluss und Vorgehen nicht zugestimmt hatte. Er kam aus Arimathäa, einer Stadt in Judäa, und erwartete auch das Reich Gottes. 52 Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu, 53 nahm ihn herunter, hüllte ihn in Leinwand und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. 54 Es war Rüsttag, kurz vor Sabbat. 55 Die Frauen, die ihn von Galiläa her begleitet hatten, waren mitgegangen und sahen zu, wie der Leichnam im Grab bestattet wurde. 56 Dann kehrten sie heim und bereiteten Balsam und Salböl. Am Sabbat ruhten sie, wie es das Gesetz vorschreibt.
(de Con. Ev. lib. iii. c. 22.) Nun sagt Johannes, dass Joseph ein Jünger Jesu war. Daher wird auch hier hinzugefügt: Der auch selbst auf das Reich Gottes wartete. Aber es erregt natürlich Verwunderung, wie der, der aus Furcht ein heimlicher Jünger war, es gewagt haben sollte, den Leib unseres Herrn zu erbitten, was keiner von denen, die ihm offen folgten, zu tun wagte; denn es heißt: Dieser ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Wir müssen also verstehen, dass er dies aus Vertrauen auf seinen Rang tat, durch den er das Vorrecht haben konnte, vertraut in die Gegenwart des Pilatus einzutreten. Aber bei der Durchführung jenes letzten Begräbnisritus scheint er sich weniger um die Juden gekümmert zu haben, obwohl es seine Gewohnheit war, beim Hören unseres Herrn deren Feindseligkeit zu vermeiden.