
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 23
6 Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. 7 Und als er erfuhr, dass er aus dem Gebiet des Herodes komme, schickte er ihn zu Herodes, der in diesen Tagen ebenfalls in Jerusalem war. 8 Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; denn seit langem hatte er den Wunsch, ihn zu sehen, weil er von ihm gehört hatte, und er hoffte, ihn ein Wunderzeichen wirken zu sehen. 9 Er befragte ihn ausführlich, doch Jesus antwortete ihm nicht. 10 Die anwesenden Hohenpriester und Schriftgelehrten erhoben schwere Anklagen gegen ihn. 11 Herodes und sein Gefolge zeigten ihm ihre Verachtung. Er verspottete ihn, ließ ihm ein Prunkgewand anlegen und schickte ihn zu Pilatus zurück. 12 An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher hatten sie nämlich in Feindschaft zueinander gestanden.
(Mor. 22. c. 16.) Aus diesen Worten sollen wir eine Lehre ziehen: Wann immer unsere Hörer gleichsam durch Lob unser Wissen von uns erlangen wollen, aber nicht ihren eigenen bösen Wandel ändern, müssen wir gänzlich schweigen, damit nicht, wenn wir aus Liebe zur Prahlerei Gottes Wort sprechen, sowohl jene, die schuldig waren, es bleiben, als auch wir, die es nicht waren, es werden. Und es gibt viele Dinge, die die Absicht eines Hörers verraten, aber besonders eines: wenn sie immer loben, was sie hören, aber niemals befolgen, was sie loben.