
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
43 Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. 44 Und er geriet in Angst und betete noch inständiger. Sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte. 45 Als er sich vom Gebet erhob und zu den Jüngern zurückkehrte, fand er sie schlafend vor Traurigkeit. 46 Da sagte er zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.
Viele sind an dieser Stelle befremdet, die die Schmerzen des Heilands zu einem Argument angeborener Schwäche von Anfang an machen, statt dass Er sie für die Zeit auf sich genommen hat. Aber ich bin so weit davon entfernt, es für eine entschuldbare Sache zu halten, dass ich niemals mehr Seine Barmherzigkeit und Majestät bewundere; denn Er hätte mir weniger erwiesen, wenn Er nicht meine Gefühle auf sich genommen hätte. Denn Er nahm meine Trauer auf sich, damit Er mir Seine Freude schenke. Mit Zuversicht nenne ich daher Seine Traurigkeit, weil ich Sein Kreuz verkünde. Er musste also Bedrängnis erleiden, damit Er siegen könne. Denn die haben keinen Ruhm der Standhaftigkeit, deren Wunden eher Betäubung als Schmerz hervorgerufen haben. Er wollte uns daher lehren, wie wir den Tod besiegen sollen, und was weit größer ist, die Angst des nahenden Todes. Du hast also gelitten, o Herr, nicht aus Deinen, sondern aus meinen Wunden; denn Er wurde um unserer Übertretungen willen verwundet. Und vielleicht ist Er traurig, weil nach Adams Fall der Übergang, durch den wir aus dieser Welt scheiden müssen, so war, dass der Tod notwendig war. Und es ist nicht weit von der Wahrheit entfernt, dass Er traurig war wegen Seiner Verfolger, von denen Er wusste, dass sie für ihren gottlosen Frevel Strafe erleiden würden.