
Basilius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 22
24 Es entstand unter ihnen ein Streit, wer von ihnen als der Größte gelten könne. 25 Da sagte er zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Gewalthaber lassen sich Wohltäter nennen. 26 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll wie der Jüngste werden und der Führer wie der Diener. 27 Denn wer ist größer: wer zu Tisch liegt oder wer bedient? Ist es nicht derjenige, der zu Tisch liegt? Ich aber bin in euerer Mitte wie einer, der bedient.
(in Reg. fus. dis. int. 30.) Der Vorsteher soll sich nicht wegen seiner Würde aufblähen, damit er nicht von der Seligkeit der Demut abfalle, sondern er soll wissen, dass wahre Demut der Dienst an vielen ist. Wie also der, welcher viele Verwundete pflegt und das Blut von ihren Wunden abwischt, am wenigsten unter allen diesen Dienst zu seiner eigenen Erhöhung antritt, umso mehr muss der, dem die Sorge für seine kranken Brüder als Diener aller anvertraut ist und der über alle Rechenschaft ablegen soll, bedacht und besorgt sein. Und so sei der Größte wie der Jüngere. (ad int. 31.) Ferner ziemt es sich, dass die, welche an den ersten Stellen stehen, auch bereit sind, körperlichen Dienst zu leisten, nach dem Beispiel unseres Herrn, der seinen Jüngern die Füße wusch. Daher folgt: Und der Vorsteher wie der Dienende. Aber wir müssen nicht fürchten, dass der Geist der Demut im Geringeren geschwächt wird, während ihm von seinem Höheren gedient wird, denn durch Nachahmung wird die Demut ausgebreitet.