
Basilius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 21
34 Habt Acht auf euch, dass Rausch und Trunkenheit und irdische Sorgen euch nicht belasten, damit jener Tag euch nicht unversehens überrascht 35 wie ein Fallstrick. Denn kommen wird er über alle, die auf der Erde wohnen. 36 Wacht also allezeit und betet, damit ihr imstande seid, allem zu entrinnen, was geschehen wird, und vor dem Menschensohn zu bestehen.
(Hom. 1. in illud Atten de tibi.) Jedes Tier hat in sich gewisse Instinkte, die es von Gott zur Erhaltung seines eigenen Wesens empfangen hat. Daher hat Christus auch uns diese Warnung gegeben, dass das, was ihnen von Natur aus zukommt, uns durch die Hilfe der Vernunft und Klugheit zuteil werde: dass wir die Sünde fliehen, wie die unvernünftigen Geschöpfe tödliche Nahrung meiden, dass wir aber nach der Gerechtigkeit streben, wie sie nach heilsamen Kräutern. Deshalb sagt er: Habt acht auf euch selbst, das heißt, dass ihr das Schädliche vom Heilsamen unterscheiden könnt. Da es aber zwei Weisen gibt, auf sich selbst achtzuhaben, die eine mit den leiblichen Augen, die andere mit den Kräften der Seele, und das leibliche Auge nicht zur Tugend reicht, bleibt, dass wir von den Tätigkeiten der Seele sprechen. Habt acht, das heißt: Schaut rings um euch auf allen Seiten, indem ihr ein stets wachsames Auge auf die Bewahrung eurer Seele richtet. Er sagt nicht: Habt acht auf euer Eigenes oder auf das, was um euch ist, sondern auf euch selbst. Denn ihr seid Geist und Seele, euer Leib ist nur des Sinnes. Um euch sind Reichtümer, Künste und all die Anhängsel des Lebens; ihr dürft euch nicht um diese kümmern, sondern um eure Seele, für die ihr besondere Sorge tragen müsst. Dieselbe Ermahnung dient sowohl zur Heilung der Kranken als auch zur Vervollkommnung der Gesunden, nämlich derer, die Wächter der Gegenwart, Fürsorger der Zukunft sind, nicht die Handlungen anderer richten, sondern streng ihre eigenen erforschen, nicht zulassen, dass der Geist Sklave ihrer Leidenschaften ist, sondern den irrationalen Teil der Seele dem rationalen unterwerfen. Aber den Grund, warum wir achtgeben sollen, fügt er wie folgt hinzu: Dass nicht zu irgendeiner Zeit eure Herzen beschwert werden usw.