Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 21
1 Als er aufblickte, sah er, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten warfen. 2 Er sah auch eine arme Witwe, die zwei Lepta einwarf. 3 Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle. 4 Denn sie alle haben nur von ihrem Überfluss gegeben; sie aber hat in ihrer Armut alles eingeworfen, was sie zum Leben hatte.
Mystisch gesehen bezeichnen die Reichen, die ihre Gaben in den Opferkasten werfen, die Juden, die von der Gerechtigkeit des Gesetzes aufgeblasen sind; die arme Witwe die Einfachheit der Kirche, die arm genannt wird, weil sie entweder den Geist des Stolzes oder ihre Sünden wie weltliche Reichtümer weggeworfen hat. Aber die Kirche ist eine Witwe, weil ihr Bräutigam für sie den Tod erlitt. Sie warf zwei Scherflein in den Opferkasten, weil sie in Gottes Augen, in dessen Obhut alle Opfergaben unserer Werke sind, ihre Gaben darbringt, sei es der Liebe zu Gott und dem Nächsten oder des Glaubens und Gebets. Und diese übertreffen alle Werke der stolzen Juden, denn jene werfen von ihrem Überfluss in die Opfergaben Gottes, indem sie auf ihre Gerechtigkeit vertrauen, die Kirche aber wirft ihr ganzes Leben hinein, denn alles, was Leben hat, glaubt sie als Gabe Gottes.