Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 20
45 Während das ganze Volk zuhörte, sagte er zu den Jüngern: 46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gern in wallenden Gewändern einhergehen, die es lieben, auf den Marktplätzen begrüßt zu werden und die ersten Sitze in den Synagogen und die Ehrenplätze bei den Gastmählern einzunehmen. 47 Sie zehren die Häuser der Witwen auf und verrichten zum Schein lange Gebete. Sie werden ein um so strengeres Urteil erfahren.
Er verbietet nicht denen, in der Synagoge oder beim Fest den ersten Platz einzunehmen, denen diese Würde von Rechts wegen zusteht, sondern er sagt ihnen, sie sollen sich vor denen hüten, die dies übermäßig lieben; er verurteilt nicht den Vorrang, sondern die Liebe dazu. Obwohl auch der andere nicht frei von Tadel wäre, wenn dieselben Männer, die an den Streitigkeiten auf dem Markt teilnehmen wollen, auch in der Synagoge Meister genannt werden wollen. Aus zwei Gründen werden wir aufgefordert, uns vor denen zu hüten, die nach eitler Ehre streben: entweder damit wir nicht durch ihre Vorspiegelungen verführt werden und das für gut halten, was sie tun, oder damit wir nicht von Eifersucht entflammt werden und vergeblich danach verlangen, für die guten Werke gelobt zu werden, die sie vorgeben zu tun. Aber sie suchen nicht nur Lob von Menschen, sondern auch Geld; denn es folgt: Die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete verrichten. Denn indem sie vorgeben, gerecht und vor Gott von großem Verdienst zu sein, lassen sie es nicht fehlen, große Geldsummen von den Kranken und denen zu empfangen, deren Gewissen durch ihre Sünden beunruhigt ist, als ob sie deren Beschützer im Gericht wären.