Origenes
Catena Aurea · Lukasevangelium 20
19 Die Hohenpriester und Schriftgelehrten hätten gern in jener Stunde Hand an ihn gelegt, fürchteten aber das Volk. Sie hatten nämlich verstanden, dass er sie mit diesem Gleichnis meinte. 20 Sie belauerten ihn und schickten Spitzel, die sich den Anschein gesetzestreuer Leute geben sollten, um ihn bei einem Wort zu fangen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Statthalters übergeben könnten. 21 Und sie fragten ihn und sagten: Meister, wir wissen, dass du recht redest und lehrst und nicht auf die Person siehst, sondern den Weg Gottes gemäß der Wahrheit lehrst. 22 Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht? 23 Er aber durchschaute ihre Arglist und sagte zu ihnen: 24 Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie antworteten: Die des Kaisers. 25 Da sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! 26 Und es gelang ihnen nicht, ihn vor dem Volk bei einem (unüberlegten) Wort zu fangen. Verwundert über seine Antwort verstummten sie.
Nun enthält diese Stelle ein Geheimnis. Denn es gibt zwei Bilder im Menschen: eines, das er von Gott empfangen hat, wie geschrieben steht: „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bild“ (Gen 1,26); ein anderes vom Feind, das er durch Ungehorsam und Sünde angenommen hat, verlockt und gewonnen durch die ködernden Reize des Fürsten dieser Welt. Denn wie der Denar das Bild des Kaisers der Welt trägt, so trägt der, der die Werke der Macht der Finsternis tut, das Bild dessen, dessen Werke er tut. Er sagt also: „Gebt dem Cäsar, was des Cäsar ist“, das heißt: Werft das irdische Bild ab, damit ihr, indem ihr das himmlische Bild anzieht, Gott geben könnt, was Gottes ist, nämlich Gott lieben. Diese Dinge, sagt Mose, verlangt Gott von uns (Dtn 10,12). Aber Gott stellt diese Forderung an uns nicht, weil er es nötig hätte, dass wir ihm etwas geben, sondern damit er, wenn wir gegeben haben, uns eben dieses Geschenk zum Heil gewähre.