Origenes
Catena Aurea · Lukasevangelium 2
36 Es war da auch eine Prophetin Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war hochbetagt; nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt 37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie wich nicht vom Tempel und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 38 Sie kam zu derselben Stunde hinzu, lobte Gott und sprach von dem Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Denn der Heilige Geist wohnte nicht zufällig in ihr. Denn der höchste Segen, wenn jemand ihn besitzen kann, ist die Gnade der Jungfräulichkeit; wenn dies aber nicht möglich ist und es einer Frau widerfährt, ihren Mann zu verlieren, soll sie Witwe bleiben, was sie nicht nur nach dem Tod ihres Mannes, sondern auch, solange er lebt, im Sinn haben sollte, dass, falls es nicht geschehen sollte, ihr Wille und ihre Entschlossenheit vom Herrn gekrönt würden und ihre Worte sein sollten: „Dies gelobe und verspreche ich, dass, wenn mir ein bestimmter Lebensstand zuteil wird (was ich jedoch nicht wünsche), ich nichts anderes tun werde, als unversehrt und Witwe zu bleiben.“ Ganz zu Recht also wurde diese heilige Frau würdig erachtet, die Gabe der Weissagung zu empfangen, weil sie durch lange Keuschheit und langes Fasten zu dieser Höhe der Tugend aufgestiegen war, wie es folgt: Die sich nicht vom Tempel trennte mit Fasten und Gebeten usw.