
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 19
41 Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: 42 Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zu deinem Frieden ist! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen. 43 Es werden Tage über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall gegen dich aufwerfen, dich ringsum einschließen und von allen Seiten bedrängen. 44 Sie werden dich und deine Kinder zu Boden werfen und keinen Stein auf dem andern lassen, weil du die Zeit deiner (gnadenvollen) Heimsuchung nicht erkannt hast.
(Hom. 39. in Ev.) Der barmherzige Erlöser weinte also über den Fall der falschen Stadt, den die Stadt selbst nicht kannte, dass er über sie kommen würde. Wie es heißt: Wenn du erkannt hättest, auch du (wir können hier verstehen), würdest du weinen. Du, die du jetzt frohlockst, denn du weißt nicht, was bevorsteht. Es folgt: wenigstens an diesem deinem Tag. Denn als sie sich fleischlichen Vergnügungen hingab, hatte sie die Dinge, die an ihrem Tag ihr Friede sein konnten. Aber warum sie gegenwärtige Güter für ihren Frieden hatte, wird durch das Folgende erklärt: Nun aber sind sie vor deinen Augen verborgen. Denn wenn die Augen ihres Herzens nicht vor den zukünftigen Übeln verborgen gewesen wären, die über ihr hingen, wäre sie nicht fröhlich im Wohlstand der Gegenwart gewesen. Daher fügte er bald die nahe Strafe hinzu und sagte: Denn es werden Tage über dich kommen.