
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 19
1 Dann kam er nach Jericho und zog hindurch. 2 Dort lebte ein Mann mit Namen Zachäus, der war Oberzöllner und reich. 3 Er wollte gern sehen, wer Jesus sei, konnte es aber nicht wegen der Volksmenge; denn er war klein von Gestalt. 4 Da lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn da musste er vorüberkommen. 5 Als nun Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, steig schnell herunter, denn heute muss ich in deinem Haus bleiben. 6 Schnell stieg er herunter und nahm ihn mit Freuden auf. 7 Alle, die das sahen, empörten sich und sagten: Bei einem Sünder ist er eingekehrt, um zu wohnen! 8 Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen und wenn ich etwas zu Unrecht von jemand gefordert habe, gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus sagte zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren war.
(Mor. 27. c. 46.) Oder weil der Maulbeerfeigenbaum von seinem Namen her der törichte Feigenbaum genannt wird, steigt der kleine Zachäus auf den Maulbeerfeigenbaum und sieht den Herrn, denn diejenigen, die demütig die törichten Dinge dieser Welt wählen, sind die, die die Weisheit Gottes am genauesten betrachten. Denn was ist törichter in dieser Welt, als nicht nach dem Verlorenen zu suchen, unseren Besitz Räubern zu geben, nicht Unrecht mit Unrecht zu vergelten? Doch durch diese weise Torheit wird die Weisheit Gottes gesehen, noch nicht wirklich so wie sie ist, sondern durch das Licht der Kontemplation.