Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 17
22 Er sagte zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr euch danach sehnt, einen einzigen Tag des Menschensohnes zu sehen; aber ihr werdet ihn nicht sehen. 23 Man wird zu euch sagen: Seht, dort! Seht, hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher. 24 Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum anderen leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. 25 Zuvor aber muss er vieles erleiden und von diesem Geschlecht verworfen werden.
Und er sagt mit Recht, dass er leuchtet von einem Teil unter dem Himmel, weil das Gericht unter dem Himmel, das heißt in der Mitte der Luft, stattfinden wird, wie der Apostel sagt: Wir werden zusammen mit ihnen in den Wolken entrückt werden. (1 Thess. 4,17.) Wenn aber der Herr beim Gericht wie ein Blitz erscheinen wird, dann wird niemand im Tiefen seines Herzens verborgen bleiben, denn der Glanz des Richters dringt durch ihn hindurch; wir können diese Antwort unseres Herrn auch auf sein Kommen beziehen, wodurch er täglich in seine Kirche kommt. Denn oft haben Häretiker die Kirche so geplagt, indem sie sagten, dass der Glaube Christi in ihrem eigenen Dogma stehe, dass die Gläubigen in jenen Zeiten sich sehnten, der Herr möge, wenn es möglich wäre, auch nur für einen Tag auf die Erde zurückkehren und selbst kundtun, was der wahre Glaube sei. Und ihr werdet es nicht sehen, weil es nicht nötig ist, dass der Herr wieder durch leibliche Gegenwart bezeugt, was geistlich durch das Licht des Evangeliums, das einst über die ganze Welt verstreut und verbreitet wurde, erklärt worden ist.