
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 17
11 Bei seiner Wanderung nach Jerusalem zog er durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. 12 Als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer. Sie blieben von fern stehen 13 und riefen: Jesus, Meister, erbarme dich unser! 14 Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht und zeigt euch den Priestern! Und während sie hingingen, wurden sie rein. 15 Einer aber von ihnen kehrte zurück, als er sah, dass er geheilt worden war, pries Gott mit lauter Stimme, 16 warf sich zu seinen Füßen aufs Angesicht und dankte ihm. Und das war ein Samariter. 17 Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die übrigen neun? 18 Hat sich keiner bereitgefunden, umzukehren und Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? 19 Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir Heilung gebracht!
(de Quæst. Ev. l. ii. qu. 40.) Die Aussätzigen können mystisch für diejenigen genommen werden, die, ohne Kenntnis des wahren Glaubens, verschiedene irrige Lehren bekennen. Denn sie verbergen ihre Unwissenheit nicht, sondern posaunen sie als höchste Weisheit hinaus und machen damit mit prahlerischen Worten ein eitles Schauspiel. Da aber der Aussatz ein Makel in der Farbe ist, wenn wahre Dinge ungeschickt mit falschen in einer einzigen Rede oder Erzählung vermischt erscheinen, wie in der Farbe eines einzigen Körpers, stellen sie einen Aussatz dar, der gleichsam mit wahren und falschen Farbstoffen die Farbe der menschlichen Gestalt streifig macht und entstellt. Nun müssen diese Aussätzigen so von der Kirche entfernt werden, dass sie, so weit wie möglich entfernt, mit lauten Schreien Christus anrufen. Aber indem sie ihn Lehrer nennen, ist, wie ich meine, deutlich angedeutet, dass der Aussatz wahrhaft die falsche Lehre ist, die der gute Lehrer abwaschen kann. Nun finden wir, dass von denen, denen unser Herr leibliche Gnadenerweise erwies, er keinen zu den Priestern sandte außer die Aussätzigen, denn das jüdische Priestertum war ein Vorbild jenes Priestertums, das in der Kirche ist. Alle Laster korrigiert und heilt unser Herr durch seine eigene Kraft, die innerlich im Gewissen wirkt, aber die Lehre der Einflößung durch das Sakrament oder der Katechese durch mündliches Wort wurde der Kirche zugewiesen. Und während sie gingen, wurden sie gereinigt; ebenso wie die Heiden, zu denen Petrus kam, die noch nicht das Sakrament der Taufe empfangen hatten, wodurch wir geistlich zu den Priestern kommen, durch die Einflößung des Heiligen Geistes für gereinigt erklärt werden. Wer also der wahren und gesunden Lehre in der Gemeinschaft der Kirche folgt und sich selbst als frei von der Verwirrung der Lügen, gleichsam einem Aussatz, verkündet, aber dennoch undankbar gegenüber seinem Reiniger ist, sich nicht mit frommer Demut des Dankes niederwirft, gleicht denen, von denen der Apostel sagt, dass sie, als sie Gott kannten, ihn nicht als Gott verherrlichten noch dankten. (Röm. 1,21.) Solche werden dann in der Neunzahl als unvollkommen bleiben. Denn die neun bedürfen einer, damit sie durch eine gewisse Form der Einheit zusammengefügt werden, um zehn zu werden. Der aber, der dankte, wurde als Typus der einen einzigen Kirche anerkannt. Und da diese Juden waren, wird erklärt, dass sie durch Hochmut das Himmelreich verloren haben, worin vor allem die Einheit bewahrt wird. Der Mann aber, der ein Samariter war, was übersetzt „Wächter“ bedeutet, gab dem, der es gab, das zurück, was er empfangen hatte, gemäß dem Psalm: Meine Stärke will ich für dich bewahren, (Ps. 59,9.) und hat die Einheit des Reiches mit demütiger Hingabe bewahrt.