
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
22 Da starb der Arme und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Der Reiche aber starb ebenfalls und wurde begraben. 23 Als er im Totenreich, mitten in seinen Qualen, seine Augen erhob, sah er von weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. 24 Da rief er: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und meine Zunge kühlen; denn ich leide große Pein in diesem Feuer. 25 Abraham aber sagte: Kind, denk daran, dass du dein Gutes schon in deinem Leben empfangen hast, Lazarus aber nur das Schlechte. Jetzt wird er hier dafür getröstet, du aber wirst gepeinigt. 26 Und außerdem besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, damit die, die von hier zu euch hinüber wollen, es nicht können, und ebenso wenig können die von drüben zu uns herüberkommen.
(Qu. Ev. lib. ii. qu. 88.) Denn durch die Unveränderlichkeit des göttlichen Urteils wird gezeigt, dass den Menschen von den Gerechten keine Hilfe der Barmherzigkeit gewährt werden kann, selbst wenn sie sie geben wollten; wodurch er uns daran erinnert, dass die Menschen in diesem Leben denen helfen sollten, denen sie können, da sie danach, selbst wenn sie gut aufgenommen würden, denen, die sie lieben, nicht helfen könnten. Denn was geschrieben wurde, dass sie euch in ewige Wohnungen aufnehmen, wurde nicht von den Stolzen und Unbarmherzigen gesagt, sondern von denen, die sich durch ihre Werke der Barmherzigkeit Freunde gemacht haben, die die Gerechten aufnehmen, nicht als ob sie ihnen durch eigene Kraft nützten, sondern durch göttliche Zulassung.