
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
22 Da starb der Arme und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Der Reiche aber starb ebenfalls und wurde begraben. 23 Als er im Totenreich, mitten in seinen Qualen, seine Augen erhob, sah er von weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. 24 Da rief er: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und meine Zunge kühlen; denn ich leide große Pein in diesem Feuer. 25 Abraham aber sagte: Kind, denk daran, dass du dein Gutes schon in deinem Leben empfangen hast, Lazarus aber nur das Schlechte. Jetzt wird er hier dafür getröstet, du aber wirst gepeinigt. 26 Und außerdem besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, damit die, die von hier zu euch hinüber wollen, es nicht können, und ebenso wenig können die von drüben zu uns herüberkommen.
(de Orig. Anim. 4. 16.) Du sagst, dass hier die Glieder der Seele beschrieben werden, und mit dem Auge willst du das ganze Haupt verstanden wissen, weil gesagt wurde, er habe seine Augen erhoben; mit der Zunge die Kinnbacken; mit dem Finger die Hand. Aber was ist der Grund, dass diese Namen von Gliedern, wenn von Gott gesprochen, deiner Meinung nach keinen Leib implizieren, wenn aber von der Seele, doch? Es ist, dass sie, wenn vom Geschöpf gesprochen, wörtlich zu nehmen sind, wenn aber vom Schöpfer, metaphorisch und figürlich. Willst du uns dann leibliche Flügel geben, da doch nicht der Schöpfer, sondern der Mensch, das heißt das Geschöpf, sagt: Wenn ich nicht die Flügel nehme am Morgen? (Ps 139,9.) Außerdem, wenn der Reiche eine leibliche Zunge hatte, weil er sagte: um meine Zunge zu kühlen, dann hat auch in uns, die wir im Fleisch leben, die Zunge selbst leibliche Hände, denn es steht geschrieben: Tod und Leben sind in der Hand der Zunge. (Spr 18,21.)