
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 16
8 Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, dass er klug gehandelt hatte. Denn die Söhne dieser Welt sind ihresgleichen gegenüber klüger als die Söhne des Lichtes. 9 Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit man euch, wenn er zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnimmt. 10 Wer im Kleinsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Kleinsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu wart, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? 12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu wart, wer wird euch dann das euere geben? 13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
(Serm. 113.) Was die Hebräer Mammon nennen, ist im Lateinischen „Reichtum“. Als ob Er sagte: „Macht euch Freunde mit dem Reichtum der Ungerechtigkeit.“ Nun missverstehen einige dies, greifen nach dem Eigentum anderer und geben so den Armen etwas und meinen, sie täten, was geboten ist. Diese Auslegung muss korrigiert werden zu: Gebt Almosen von euren gerechten Arbeiten. (Prov. 3:9. LXX.) Denn ihr werdet Christus, euren Richter, nicht bestechen. Wenn du vom Raub eines Armen etwas dem Richter gäbest, damit er für dich entscheide, und jener Richter sollte für dich entscheiden, so ist die Kraft der Gerechtigkeit so, dass du mit dir selbst unzufrieden wärst. Macht euch also nicht einen solchen Gott. Gott ist die Quelle der Gerechtigkeit; gebt also nicht Almosen aus Zins und Wucher. Ich spreche zu den Gläubigen, denen wir den Leib Christi austeilen. Wenn ihr aber solches Geld habt, so habt ihr es vom Bösen. Seid nicht länger Täter des Bösen. Zachäus sagte: Die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen. (Lk 19:8.) Seht, wie er läuft, der läuft, um sich Freunde mit dem ungerechten Mammon zu machen; und um nicht von irgendeiner Seite schuldig zu sein, sagt er: Wenn ich jemandem etwas genommen habe, gebe ich es vierfach zurück. Nach einer anderen Auslegung sind der ungerechte Mammon alle Reichtümer der Welt, woher sie auch kommen. Denn wenn du die wahren Reichtümer suchst, gibt es einige, in denen Hiob, als er nackt war, überfloss, als sein Herz voll auf Gott gerichtet war. Die anderen werden Reichtümer aus Ungerechtigkeit genannt; weil sie nicht wahre Reichtümer sind, denn sie sind voller Armut und stets Zufällen ausgesetzt. Denn wenn sie wahre Reichtümer wären, würden sie dir Sicherheit geben.