
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 14
25 Eine große Volksmenge begleitete Jesus. Er wandte sich an sie und sagte: 26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern und dazu auch noch sein eigenes Leben hasst, kann er nicht mein Jünger sein. 27 Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.
(in Hom. ut sup.) Um nun zu zeigen, dass dieser Hass gegen die Verwandten nicht aus Neigung oder Leidenschaft, sondern aus Liebe kommt, fügt unser Herr hinzu: ja, auch sein eigenes Leben. Es ist also klar, dass ein Mensch seinen Nächsten hassen soll, indem er den, der ihn hasst, wie sich selbst liebt. Denn dann hassen wir unsere eigene Seele zu Recht, wenn wir ihren fleischlichen Begierden nicht nachgeben, wenn wir ihre Gelüste bezwingen und gegen ihre Lüste ringen. Das, was durch Verachtung in einen besseren Zustand gebracht wird, wird gleichsam durch Hass geliebt.