
Basilius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 14
7 Als er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze aussuchten, trug er den Geladenen ein Gleichnis vor und sagte zu ihnen: 8 Wenn du von jemand zu einem Hochzeitsmahl eingeladen bist, dann setze dich nicht auf den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du eingeladen sein 9 und der, der dich und ihn eingeladen hat, könnte kommen und zu dir sagen: Mach diesem Platz! Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. 10 Nein, wenn du eingeladen bist, geh und setze dich auf den letzten Platz, damit, wenn der kommt, der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund, rück weiter hinauf! Dann wird es dir zur Ehre sein vor allen deinen Tischgenossen. 11 Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(in reg. fus. ad inter. 12.) Den niedrigsten Platz bei einem Gastmahl einzunehmen, wie unser Herr gebietet, ziemt jedem Menschen, aber wiederum streitsüchtig danach zu trachten, ist als Störung der Ordnung und Ursache von Aufruhr zu verurteilen; und ein darüber entfachter Streit wird dich auf eine Stufe mit denen stellen, die über den höchsten Platz streiten. Deshalb, wie unser Herr hier sagt, ziemt es dem, der das Mahl bereitet, die Ordnung des Sich-Setzens zu regeln. So sollen wir uns in Geduld und Liebe gegenseitig ertragen und allem anständig und der Ordnung gemäß folgen, nicht um äußeren Scheins oder öffentlicher Zurschaustellung willen; noch sollen wir scheinen, Demut durch heftigen Widerspruch zu erstreben oder zu erheischen, sondern sie vielmehr durch Nachgiebigkeit oder Geduld gewinnen. Denn Widerstand oder Widerspruch ist ein weit stärkeres Zeichen von Hochmut als das Einnehmen des ersten Platzes beim Mahl, wenn wir ihn durch Autorität erlangen.