
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
22 Jesus wanderte lehrend durch Städte und Dörfer und nahm den Weg nach Jerusalem. 23 Da fragte ihn jemand: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er aber sagte zu ihnen: Bemüht euch darum, durch die enge Pforte zu gelangen! 24 Denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. 25 Wenn der Herr des Hauses sich erhoben und die Tür geschlossen hat und ihr draußen steht und klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf!, so wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. 26 Dann werdet ihr sagen: Wir haben mit euch gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. 27 Er aber wird euch antworten: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir alle, ihr Übeltäter! 28 Da wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sehen werdet, ihr selbst aber ausgestoßen seid. 29 Und man wird von Osten und Westen, von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch liegen. 30 Manche von den Letzten werden dann die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.
Nun scheint unser Herr den, der fragte, ob es wenige sind, die gerettet werden, nicht zufriedenzustellen, wenn er den Weg erklärt, durch den der Mensch gerecht werden kann. Aber es ist zu beachten, dass es die Gewohnheit unseres Erlösers war, denen, die ihn fragten, nicht so zu antworten, wie sie es für richtig hielten, sooft sie ihm nutzlose Fragen stellten, sondern im Hinblick auf das, was seinen Hörern nützlich sein könnte. Und welchen Vorteil hätte es für seine Hörer gehabt zu wissen, ob es viele oder wenige sein würden, die gerettet werden? Aber es war notwendiger, den Weg zu kennen, durch den der Mensch zum Heil gelangen kann. Absichtlich sagt er also nichts zur Antwort auf die müßige Frage, sondern wendet seine Rede einem wichtigeren Thema zu.