
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
10 Jesus lehrte am Sabbat in einer Synagoge. 11 Da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren einen Krankheitsdämon hatte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr ganz aufrichten. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: Frau, du bist von deiner Krankheit erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig darüber, dass Jesus am Sabbat geheilt hatte, sagte zu den Leuten: Sechs Tage gibt es, an denen man arbeiten darf; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbat! 15 Der Herr entgegnete ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon achtzehn Jahre lang gefesselt hielt, musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden? 17 Als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt, und das ganze Volk freute sich über alles Herrliche, was durch ihn geschah.
(up sup.) Denn jeder Sünder, der Irdisches denkt und nicht das sucht, was im Himmel ist, kann nicht aufblicken. Denn während er seinen niederen Begierden nachgeht, weicht er von der Aufrichtigkeit seines Zustands ab; oder sein Herz ist krumm gebeugt, und er blickt stets auf das, worüber er unaufhörlich nachdenkt. Der Herr rief sie und richtete sie auf, denn Er erleuchtete sie und half ihr. Er ruft manchmal, richtet aber nicht auf, denn wenn wir durch die Gnade erleuchtet werden, sehen wir oft, was getan werden sollte, aber wegen der Sünde tun wir es nicht. Denn die Gewohnheitssünde bindet den Geist nieder, so dass er nicht zur Aufrichtigkeit aufsteigen kann. Er unternimmt Versuche und scheitert, weil er, wenn er lange aus eigenem Willen stand, beim Fehlen des Willens fällt.