
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
10 Jesus lehrte am Sabbat in einer Synagoge. 11 Da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren einen Krankheitsdämon hatte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr ganz aufrichten. 12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: Frau, du bist von deiner Krankheit erlöst. 13 Und er legte ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott. 14 Der Synagogenvorsteher aber, unwillig darüber, dass Jesus am Sabbat geheilt hatte, sagte zu den Leuten: Sechs Tage gibt es, an denen man arbeiten darf; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbat! 15 Der Herr entgegnete ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? 16 Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon achtzehn Jahre lang gefesselt hielt, musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden? 17 Als er dies sagte, wurden alle seine Widersacher beschämt, und das ganze Volk freute sich über alles Herrliche, was durch ihn geschah.
Oder der Feigenbaum stellt die Synagoge dar; danach folgt in der kranken Frau gleichsam ein Bild der Kirche, die, nachdem sie das Maß des Gesetzes und der Auferstehung erfüllt hat und nun hoch erhoben ist an jenem ewigen Ruheort, die Gebrechlichkeit unserer schwachen Neigungen nicht mehr erfahren kann. Und diese Frau konnte nicht geheilt werden, es sei denn, sie hätte das Gesetz und die Gnade erfüllt. Denn in zehn Geboten ist die Vollkommenheit des Gesetzes enthalten, und in der Zahl acht die Fülle der Auferstehung.