
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
6 Und er erzählte dieses Gleichnis: Jemand hatte einen Feigenbaum in seinen Weinberg gepflanzt. Er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. 7 Da sagte er zu dem Weingärtner: Schon drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn um! Wozu saugt er noch den Boden aus? 8 Doch der antwortete ihm: Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn herum aufgegraben und Dung gestreut habe. 9 Vielleicht wird er in Zukunft Frucht bringen; wenn aber nicht, dann magst du ihn umhauen.
(Hom. 31. in Evang.) Aber unser Herr kam dreimal zum Feigenbaum, weil er die menschliche Natur vor dem Gesetz, unter dem Gesetz und unter der Gnade suchte, durch Warten, Ermahnen, Heimsuchung; doch beklagt er sich, dass er drei Jahre lang keine Frucht fand, denn es gibt einige böse Menschen, deren Herzen weder durch das ihnen eingehauchte Naturgesetz gebessert noch durch Gebote unterwiesen noch durch die Wunder seiner Menschwerdung bekehrt werden.