
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
6 Und er erzählte dieses Gleichnis: Jemand hatte einen Feigenbaum in seinen Weinberg gepflanzt. Er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. 7 Da sagte er zu dem Weingärtner: Schon drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn um! Wozu saugt er noch den Boden aus? 8 Doch der antwortete ihm: Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn herum aufgegraben und Dung gestreut habe. 9 Vielleicht wird er in Zukunft Frucht bringen; wenn aber nicht, dann magst du ihn umhauen.
Aber unser Herr suchte nicht, weil er nicht wusste, dass der Feigenbaum keine Frucht hatte, sondern damit er im Bild zeige, dass die Synagoge zu dieser Zeit Frucht hätte bringen sollen. Schließlich lehrt er durch das, was folgt, dass er selbst nicht vor der Zeit kam, der nach drei Jahren kam. Denn so wird gesagt: Da sprach er zum Weingärtner: Siehe, seit drei Jahren komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Er kam zu Abraham, er kam zu Moses, er kam zu Maria, das heißt, er kam im Siegel des Bundes, er kam im Gesetz, er kam im Leib. Wir erkennen sein Kommen an seinen Gaben; einmal Reinigung, ein andermal Heiligung, ein andermal Rechtfertigung. Die Beschneidung reinigte, das Gesetz heiligte, die Gnade rechtfertigte. Das jüdische Volk konnte also nicht gereinigt werden, weil es nicht die Beschneidung des Herzens, sondern des Fleisches hatte; noch geheiligt werden, weil es, unwissend über die Bedeutung des Gesetzes, dem Fleischlichen statt dem Geistlichen folgte; noch gerechtfertigt werden, weil es, ohne Reue für seine Vergehen zu üben, nichts von der Gnade wusste. Mit Recht also wurde keine Frucht in der Synagoge gefunden, und folglich wird befohlen, sie abzuhauen; denn es folgt: Haue ihn ab, warum nimmt er den Boden weg? Aber der barmherzige Weingärtner, vielleicht der, auf dem die Kirche gegründet ist, der voraussah, dass ein anderer zu den Heiden gesandt würde, er selbst aber zu denen aus der Beschneidung, bittet fromm, dass er nicht abgehauen werde; im Vertrauen auf seine Berufung, dass auch das jüdische Volk durch die Kirche gerettet werden könne. Daher folgt: Und er antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn dieses Jahr noch. Er erkannte bald Herzenshärte und Stolz als Ursachen der Unfruchtbarkeit der Juden. Er wusste also zu züchtigen, der die Fehler zu tadeln wusste. Daher fügt er hinzu: bis ich ihn umgrabe. Er verspricht, dass die Härte ihrer Herzen durch die Spaten der Apostel umgegraben werde, damit nicht ein Erdhaufen die Wurzel der Weisheit bedecke und verdunkle. Und er fügt hinzu: und dünge ihn, das heißt, durch die Gnade der Demut, durch die sogar die Feige fruchtbar zu werden glaubt für das Evangelium Christi. Daher fügt er hinzu: Und wenn er Frucht bringt, gut, das heißt, es wird gut sein; wenn aber nicht, dann haue ihn danach ab.