
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 13
6 Und er erzählte dieses Gleichnis: Jemand hatte einen Feigenbaum in seinen Weinberg gepflanzt. Er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine. 7 Da sagte er zu dem Weingärtner: Schon drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn um! Wozu saugt er noch den Boden aus? 8 Doch der antwortete ihm: Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn herum aufgegraben und Dung gestreut habe. 9 Vielleicht wird er in Zukunft Frucht bringen; wenn aber nicht, dann magst du ihn umhauen.
Es gab einen Weinberg des Herrn der Heerscharen, den er den Heiden zur Beute gab. Und der Vergleich des Feigenbaums mit der Synagoge ist gut gewählt, weil, wie jener Baum von breitem und ausladendem Laub strotzt und die Hoffnungen seines Besitzers mit der eitlen Erwartung verheißener Frucht täuscht, so auch in der Synagoge, während ihre Lehrer in guten Werken unfruchtbar sind, sich doch mit Worten wie mit reichlichem Laub brüsten, und der leere Schatten des Gesetzes sich weit und breit erstreckt. Dieser Baum ist auch der einzige, der anstelle von Blüten Früchte hervorbringt. Und die Frucht fällt ab, damit andere Frucht nachfolgen kann; doch einige wenige der früheren bleiben und fallen nicht. Denn das erste Volk der Synagoge fiel als nutzlose Frucht ab, damit aus der Fruchtbarkeit der alten Religion das neue Volk der Kirche entstehe; doch die, welche die ersten aus Israel waren, die ein Zweig stärkerer Natur hervorbrachte, unter dem Schatten des Gesetzes und des Kreuzes, im Schoß beider, mit doppeltem Saft getränkt nach dem Vorbild einer reifenden Feige, übertrafen alle anderen in der Gnade der vortrefflichsten Früchte; zu ihnen wird gesagt: Ihr werdet auf zwölf Thronen sitzen. Einige jedoch meinen, der Feigenbaum sei nicht ein Bild der Synagoge, sondern der Bosheit und Treulosigkeit; doch diese unterscheiden sich in nichts von dem Vorhergehenden, außer dass sie die Gattung statt der Art wählen.