Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, dass es schon entfacht wäre! 50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. 51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Entzweiung. 52 Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei, 53 der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
Einige Handschriften haben: „Und wie bin Ich geängstigt“ (coangor), das heißt betrübt. Denn obwohl Er in Sich nichts hatte, was Ihn betrüben konnte, war Er doch durch unsere Leiden bedrückt, und zur Zeit des Todes verriet Er die Angst, die Er nicht aus Furcht vor Seinem Tod erlitt, sondern wegen der Verzögerung unserer Erlösung. Denn wer bis zur Vollkommenheit bedrängt wird, ist der Vollkommenheit sicher; denn ihn quält der Zustand der leiblichen Affekte, nicht die Furcht vor dem Tod. Denn wer den Leib angezogen hat, muss alles erleiden, was zum Leib gehört: Hunger, Durst, Plage, Trauer; die göttliche Natur aber erfährt keine Veränderung durch solche Gefühle. Zugleich zeigt Er auch, dass im Kampf des Leidens der Tod des Leibes besteht, der Friede des Geistes aber keinen Streit mit dem Schmerz hat.