
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
49 Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, dass es schon entfacht wäre! 50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. 51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Entzweiung. 52 Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei, 53 der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.
An die Verwalter, das heißt an die Priester, scheinen die vorhergehenden Worte gerichtet worden zu sein, damit sie dadurch erkennen, dass künftig eine schwerere Strafe sie erwartet, wenn sie, auf die Freuden der Welt bedacht, die ihnen anvertraute Sorge für das Haus ihres Herrn und das ihnen anvertraute Volk vernachlässigt haben. Da es aber wenig nützt, durch Furcht vor Strafe vom Irrtum zurückgerufen zu werden, und das Vorrecht der Liebe und Nächstenliebe weit größer ist, entzündet unser Herr daher in den Menschen das Verlangen, die göttliche Natur zu erlangen, indem Er sagt: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu senden – nicht, dass Er der Verzehrer der Guten ist, sondern der Urheber des guten Willens, der die goldenen Gefäße des Hauses des Herrn reinigt, aber Stroh und Spreu verbrennt.