
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 12
13 Einer aus der Volksmenge bat ihn: Meister, sage meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. 14 Er aber sagte zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler über euch bestellt? 15 Dann sprach er zu ihnen: Gebt Acht und hütet euch vor jeglicher Habsucht! Denn auch mitten im Überfluss ist das Leben eines Menschen nicht durch seine Güter gesichert.
Wohl also meidet er irdische Dinge, der um der göttlichen Dinge willen herabgestiegen ist, und würdigt sich nicht, Richter über Streitigkeiten und Schiedsrichter über Gesetze zu sein, da ihm das Gericht über die Lebenden und die Toten und die Vergeltung der Werke zusteht. Du solltest also bedenken, nicht was du suchst, sondern von wem du es erbittest; und du solltest nicht eifrig annehmen, dass die Größeren von den Kleineren beunruhigt werden sollen. Daher wird dieser Bruder verdientermaßen enttäuscht, der den Verwalter der himmlischen Dinge mit vergänglichen Dingen beschäftigen wollte, da doch zwischen Brüdern kein Richter eingreifen sollte, sondern die natürliche Zuneigung Schiedsrichter sein sollte, um das Erbe zu teilen, obwohl nicht Reichtümer, sondern Unsterblichkeit das Erbe sein sollte, auf das die Menschen warten sollten.