
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
79 zu leuchten denen, die in Finsternis und in Todesschatten sitzen, / und unsere Füße zu lenken auf den Weg des Friedens.
(iv. Moral. sup. Job 3,5.) Aber der Schatten des Todes wird als Vergessenheit des Geistes verstanden. Denn wie der Tod bewirkt, dass das, was er tötet, nicht mehr im Leben ist, so hört alles, was die Vergessenheit berührt, auf, in der Erinnerung zu sein. Daher wird das jüdische Volk, das Gott vergessen hatte, als im Schatten des Todes sitzend bezeichnet. Der Schatten des Todes wird auch für den Tod des Fleisches genommen, weil, wie jener der wahre Tod ist, durch den die Seele von Gott getrennt wird, so jener der Schatten des Todes ist, durch den das Fleisch von der Seele getrennt wird. Daher heißt es in den Worten der Märtyrer: Der Schatten des Todes hat uns überkommen. (Ps. 44,19.) Durch den Schatten des Todes wird auch die Nachfolge des Teufels dargestellt, der in der Offenbarung Tod genannt wird (Offb. 6,8.), weil, wie ein Schatten entsprechend der Beschaffenheit des Körpers gebildet wird, so die Handlungen der Gottlosen entsprechend der Art ihrer Nachfolge ihm gegenüber ausgedrückt werden.