
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 1
39 Maria machte sich in diesen Tagen auf und eilte in eine Stadt im Gebirge von Judäa. 40 Sie trat in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. 41 Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib; Elisabet wurde vom Heiligen Geist erfüllt 42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Woher wird mir dies zuteil, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 45 Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was ihr vom Herrn gesagt wurde.
(Epist. ad Dardanum 57.) Aber um dies zu sagen, wie der Evangelist vorausschickt, war sie vom Heiligen Geist erfüllt, durch dessen Offenbarung sie zweifellos wusste, was jenes Hüpfen des Kindes bedeutete; nämlich, dass die Mutter dessen zu ihr gekommen war, dessen Vorläufer und Herold jenes Kind sein sollte. So könnte also die Bedeutung eines so großen Ereignisses sein: von Erwachsenen zwar erkannt, aber von einem kleinen Kind nicht verstanden; denn sie sagte nicht: „Das Kind hüpfte im Glauben in meinem Leib“, sondern hüpfte vor Freude. Nun sehen wir nicht nur Kinder vor Freude hüpfen, sondern sogar das Vieh; gewiss nicht aus irgendeinem Glauben oder religiösen Gefühl oder rationaler Erkenntnis. Aber diese Freude war seltsam und ungewohnt, denn sie war im Mutterleib; und bei der Ankunft derer, die den Erlöser der Welt gebären sollte. Diese Freude also und gleichsam gegenseitige Begrüßung der Mutter des Herrn wurde (wie Wunder) durch göttliche Einflüsse in dem Kind bewirkt, nicht auf menschliche Weise von ihm. Denn selbst wenn die Ausübung von Vernunft und Willen in jenem Kind so weit fortgeschritten gewesen wäre, dass es im Leib seiner Mutter hätte erkennen, glauben und zustimmen können; so müsste dies doch zu den Wundern der göttlichen Macht gezählt werden, nicht auf menschliche Beispiele zurückgeführt werden.