
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 9
1 Im Vorübergehen sah er einen Mann, der von Geburt an blind war. 2 Seine Jünger fragten ihn: Rabbi, wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. 4 Ich muss die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Nach diesen Worten spie er auf den Boden, machte einen Teig aus dem Speichel, strich ihm den Teig auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh, wasche dich im Teich Schiloach!, das heißt übersetzt: Gesandter. Da ging er fort, wusch sich und kam sehend zurück.
(in Præf. Moral. c. 5) Ein Schlag trifft den Sünder nur zur Strafe, nicht zur Bekehrung; ein anderer zur Züchtigung; ein anderer nicht zur Züchtigung vergangener Sünden, sondern zur Verhütung künftiger; ein anderer weder zur Züchtigung vergangener noch zur Verhütung künftiger Sünden, sondern um durch die unerwartete Errettung nach dem Schlag eine glühendere Liebe zur Güte des Erlösers zu entfachen.