Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
52 Da sagten die Juden zu ihm: Jetzt wissen wir, dass du von einem Dämon besessen bist. Abraham ist gestorben und die Propheten, aber du sagst: Wer mein Wort bewahrt, wird den Tod ganz gewiss in Ewigkeit nicht erleiden. 53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten sind gestorben. Für wen hälst du dich? 54 Jesus antwortete: Wollte ich mich selbst ehren, wäre meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der mich ehrt, er, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott. 55 Doch ihr habt ihn nicht erkannt. Ich aber kenne ihn. Und wenn ich sagen würde: Ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner wie ihr. Aber ich kenne ihn und bewahre sein Wort. 56 Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte. Er hat ihn gesehen und sich gefreut.
(tom. xx. 32, 33.) Diejenigen, welche die Heilige Schrift glauben, verstehen, dass das, was Menschen gegen die rechte Vernunft tun, nicht ohne die Einwirkung von Dämonen geschieht. So dachten die Juden, Jesus habe unter dem Einfluss des Teufels gesprochen, als Er sagte: Wenn jemand mein Wort hält, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit. Und dieser Meinung unterlagen sie, weil sie die Macht Gottes nicht kannten. Denn hier sprach Er von jenem Tod der Feindschaft gegen die Vernunft (ἐχθρὸν τῷ λόγῳ), durch den die Sünder zugrunde gehen; sie aber verstanden Ihn von jenem Tod, der allen gemeinsam ist; und deshalb tadelten sie Ihn, so zu sprechen, da es doch gewiss war, dass Abraham und die Propheten tot waren: Abraham ist gestorben und die Propheten; und du sagst: Wenn jemand mein Wort hält, so wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit. Sie sagen: wird den Tod nicht schmecken, statt: wird den Tod nicht sehen; obwohl zwischen Schmecken und Sehen des Todes ein Unterschied besteht. Wie nachlässige Hörer missverstehen sie, was unser Herr gesagt hat. Denn wie unser Herr, insofern Er das wahre Brot ist, gut zu schmecken ist; insofern Er die Weisheit ist, schön anzuschauen ist; so ist auch Sein Gegner, der Tod, sowohl zu schmecken als auch zu sehen. Wenn also ein Mensch mit Christi Hilfe an dem ihm gezeigten geistigen Ort steht (ἐν τῷ δεικνυ μένω νοητῷ τόπῳ), wird er den Tod nicht schmecken, wenn er diesen Zustand bewahrt; nach Matthäus: Es stehen etliche hier, die werden den Tod nicht schmecken. (Mt 16,28) Wenn aber ein Mensch Christi Worte hört und sie hält, wird er den Tod nicht sehen.