
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
31 Da sagte Jesus zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. 32 Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. 33 Sie antworteten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und haben nie jemals irgendjemand als Sklaven gedient. Wie kannst du behaupten: Ihr werdet frei werden? 34 Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Jeder, der Sünde tut, ist Sklave der Sünde. 35 Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus. Der Sohn bleibt für immer. 36 Wenn euch also der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei.
O elende Knechtschaft! Der Sklave eines menschlichen Herrn nimmt, wenn er der Härte seiner Aufgaben überdrüssig ist, manchmal seine Zuflucht zur Flucht. Aber wohin flieht der Sklave der Sünde? Er nimmt sie mit sich, wohin er auch geht; denn seine Sünde ist in ihm. Das Vergnügen vergeht, aber die Sünde vergeht nicht: ihre Lust geht, ihr Stachel bleibt zurück. Allein der kann von der Sünde befreien, der ohne Sünde kam und zum Opfer für die Sünde gemacht wurde. Und so folgt: Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus. Die Kirche ist das Haus: der Knecht ist der Sünder; und viele Sünder treten in die Kirche ein. So sagt Er nicht: Der Knecht ist nicht im Haus; sondern: Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus. Wenn also eine Zeit kommen soll, in der kein Knecht im Haus sein wird; wer wird dann dort sein? Wer wird sich rühmen, rein von Sünde zu sein? Christi Worte sind furchtbar. Aber Er fügt hinzu: Der Sohn bleibt ewig. So wird Christus allein in seinem Haus wohnen. Oder impliziert das Wort Sohn nicht sowohl den Leib als auch das Haupt? Christus schreckt uns absichtlich zuerst, und dann gibt Er uns Hoffnung. Er schreckt uns, damit wir die Sünde nicht lieben; Er gibt uns Hoffnung, damit wir nicht an der Lossprechung von unserer Sünde verzweifeln. Unsere Hoffnung ist also diese, dass wir von Ihm befreit werden, der frei ist. Er hat den Preis für uns bezahlt, nicht in Geld, sondern in seinem eigenen Blut: Wenn euch also der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.