
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
31 Da sagte Jesus zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. 32 Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen. 33 Sie antworteten ihm: Wir sind Nachkommen Abrahams und haben nie jemals irgendjemand als Sklaven gedient. Wie kannst du behaupten: Ihr werdet frei werden? 34 Jesus erwiderte ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Jeder, der Sünde tut, ist Sklave der Sünde. 35 Der Sklave aber bleibt nicht für immer im Haus. Der Sohn bleibt für immer. 36 Wenn euch also der Sohn frei macht, seid ihr wirklich frei.
(Tr. xli. 1) Als wollte Er sagen: Während ihr jetzt Glauben habt, werdet ihr durch Bleiben Schauen haben. (xl. 9.). Denn nicht ihr Wissen ließ sie glauben, sondern vielmehr ihr Glaube gab ihnen Wissen. Glaube ist, zu glauben, was man nicht sieht; Wahrheit ist, zu sehen, was man glaubt? Indem du also weiterhin an eine Sache glaubst, gelangst du schließlich dazu, die Sache zu sehen; d. h. zur Anschauung der Wahrheit selbst, wie sie ist; nicht in Worten vermittelt, sondern durch Licht offenbart. Die Wahrheit ist unveränderlich; sie ist das Brot der Seele, das andere erquickt, ohne selbst vermindert zu werden; sie verwandelt den, der isst, in sich selbst, selbst nicht verändert. Diese Wahrheit ist das Wort Gottes, das um unseretwillen Fleisch annahm und verborgen lag; nicht um sich zu begraben, sondern nur um seine Offenbarung aufzuschieben, bis sein Leiden im Leib, zur Erlösung des Leibes der Sünde, stattgefunden hatte.