Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
21 Wiederum sagte er zu ihnen: Ich gehe fort und ihr werdet mich suchen. Und ihr werdet in euerer Sünde sterben. Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen. 22 Darauf sagten die Juden: Will er sich etwa selbst töten, dass er sagt: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht kommen? 23 Er sagte zu ihnen: Ihr seid von unten, ich bin von oben. Ihr seid aus dieser Welt, ich bin nicht aus dieser Welt. 24 Darum habe ich euch gesagt, dass ihr in eueren Sünden sterben werdet. Denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in eueren Sünden sterben.
(tom. xix. 3.) Das Wort, obwohl noch gegenwärtig, droht dennoch zu scheiden. Solange wir die in unseren Herzen eingepflanzten Samen der Wahrheit bewahren, weicht das Wort Gottes nicht von uns. Wenn wir aber in Bosheit verfallen, dann sagt Er zu uns: Ich gehe weg; und wenn wir Ihn suchen, werden wir Ihn nicht finden, sondern in unserer Sünde sterben, in unserer Sünde gefangen sterben. Doch dürfen wir nicht ohne Beachtung den Ausdruck selbst übergehen: Ihr werdet in euren Sünden sterben. Wenn „ihr werdet sterben“ im gewöhnlichen Sinn verstanden wird, ist es offenkundig, dass die Sünder in ihren Sünden sterben, die Gerechten in ihrer Gerechtigkeit. Wenn wir es aber vom Tod im Sinne der Sünde verstehen, dann ist die Bedeutung, dass nicht ihre Leiber, sondern ihre Seelen todkrank waren. Der Arzt, der sie so schwer krank sieht, sagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben. Und dies ist offensichtlich die Bedeutung der Worte: Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen. Denn wenn ein Mensch in seiner Sünde stirbt, kann er nicht dorthin gehen, wohin Jesus geht; kein Toter kann Jesus folgen: Die Toten loben dich nicht, o Herr. (Ps. 113)