Alkuin
Catena Aurea · Johannesevangelium 8
1 Jesus aber ging auf den Ölberg. 2 In der Frühe erschien er wieder im Tempel und alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte sie. 3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war, stellten sie in die Mitte 4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden. 5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu? 6 Das sagten sie, um ihn auf die Probe zu stellen, damit sie eine Anklage gegen ihn hätten. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie jedoch hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. 8 Dann bückte er sich wieder und schrieb auf die Erde. 9 Als sie das gehört hatten, gingen sie weg, einer nach dem anderen, von den Ältesten angefangen. Er blieb allein zurück mit der Frau, die in der Mitte stand. 10 Da richtete sich Jesus auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat keiner dich verurteilt? 11 Sie aber antwortete: Keiner, Herr! Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
Die Salbung mit Öl ist eine Linderung für die Glieder, wenn sie ermüdet und schmerzend sind. Der Ölberg bezeichnet auch die Höhe des Erbarmens unseres Herrn, da Öl auf Griechisch Erbarmen bedeutet. Die Eigenschaften des Öls sind so beschaffen, dass sie zu dieser mystischen Bedeutung passen. Denn es schwimmt über allen anderen Flüssigkeiten: und der Psalmist sagt: Deine Barmherzigkeit ist über allen deinen Werken. Und früh am Morgen kam Er wieder in den Tempel: (Ps. 144) d. h. um die Gabe und Entfaltung Seines Erbarmens zu bezeichnen, d. h. das nun anbrechende Licht des Neuen Testaments in den Gläubigen, das heißt in Seinem Tempel. Seine Rückkehr früh am Morgen bedeutet den neuen Aufgang der Gnade.