
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
9 Das sagte er zu ihnen und blieb in Galiläa. 10 Nachdem aber seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, zog auch er hinauf, nicht öffentlich, sondern im Verborgenen. 11 Die Juden suchten ihn beim Fest und sagten: Wo ist er? 12 Und unter den Volksscharen war viel Gerede über ihn. Die einen sagten: Er ist ein guter Mann. Andere sagten: Nein, er verführt das Volk. 13 Niemand aber redete über ihn frei heraus aus Furcht vor den Juden.
(Tract. xxviii. s. 11) Und es gab viel Murren im Volk über Ihn. Ein Murren, das aus Uneinigkeit entstand. Denn einige sagten: Er ist ein guter Mann; andere sagten: Nein; sondern Er verführt das Volk. Wer auch nur einen Funken Gnade hatte, sagte: Er ist ein guter Mann; die übrigen: Nein, sondern Er verführt das Volk. Dass solches über Ihn gesagt wurde, der Gott war, ist ein Trost für jeden Christen, von dem dasselbe gesagt werden kann. Wenn verführen bedeutet, zu entscheiden, war Christus kein Verführer, noch kann irgendein Christ einer sein. Aber wenn mit verführen gemeint ist, eine Person durch Überredung von einer Denkweise in eine andere zu bringen, dann müssen wir fragen, von was und zu was. Wenn von Gut zu Böse, ist der Verführer ein böser Mensch; wenn von Böse zu Gut, ein guter. Und möchten wir alle solche Verführer genannt werden und wirklich sein.