
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 7
1 Danach wanderte Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die Juden ihm nach dem Leben trachteten. 2 Das Laubhüttenfest der Juden war nahe. 3 Da sagten seine Brüder zu ihm: Zieh von hier weg und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst. 4 Denn niemand wirkt im Verborgenen und bemüht sich zugleich um öffentliche Anerkennung. Wenn du schon so wirkst, so zeige dich der Welt! 5 Nicht einmal seine Brüder glaubten nämlich an ihn. 6 Da sagte Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da. Euere Zeit aber ist immer bereit. 7 Euch kann die Welt nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich bezeuge, dass ihre Werke böse sind. 8 Geht ihr nur hinauf zum Fest. Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest, weil meine Zeit noch nicht erfüllt ist.
(Tr. xxviii. 3) Wenn du von den Brüdern des Herrn hörst, musst du die Verwandten Marias verstehen, nicht ihre Nachkommen nach der Geburt des Herrn. Denn wie der Leib des Herrn nur einmal im Grab lag, und weder vorher noch nachher ein zweites Mal; so konnte auch der Schoß Marias unmöglich einen anderen sterblichen Nachkommen empfangen. Die Werke unseres Herrn entgingen seinen Jüngern nicht, aber sie entgingen seinen Brüdern; daher ihr Vorschlag: „damit deine Jünger die Werke sehen, die du tust.“ Sie sprechen nach der Weisheit des Fleisches zu dem Wort, das Fleisch geworden ist, und fügen hinzu: „Denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht doch, selbst bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt“; als wollten sie sagen: Du tust Wunder, tu sie vor den Augen der Welt, damit die Welt dich ehre. Ihre Ermahnungen zielen darauf ab, ihm Ruhm zu verschaffen; und gerade dies, nämlich das Streben nach menschlichem Ruhm, bewies, dass sie nicht an Ihn glaubten, wie wir als Nächstes lesen: „Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“ Sie waren mit Christus verwandt, aber gerade deshalb waren sie über dem Glauben an Ihn.