
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Johannesevangelium 6
41 Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, 42 und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt behaupten: Ich bin vom Himmel herabgekommen? 43 Jesus antwortete ihnen: Murrt nicht untereinander! 44 Niemand kann zu mir kommen, wenn ihn der Vater, der mich gesandt hat, nicht zieht, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. 45 Bei den Propheten steht geschrieben: Und sie werden alle von Gott unterwiesen sein. Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir. 46 Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte; nur der von Gott ist, der hat den Vater gesehen.
(de Prædest. Sanctorum, c. viii. et seq.) Alle, die von Gott gelehrt sind, kommen zum Sohn, weil sie vom Vater vom Sohn gehört und gelernt haben; deshalb fährt Er fort: Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu Mir. Aber wenn jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt, so hat jeder, der nicht vom Vater gehört hat, nicht gelernt. Denn außerhalb der Reichweite der leiblichen Sinne liegt diese Schule, in der der Vater gehört wird und die Menschen gelehrt werden, zum Sohn zu kommen. Hier haben wir es nicht mit dem fleischlichen Ohr zu tun, sondern mit dem Ohr des Herzens; denn hier ist der Sohn selbst, das Wort, durch das der Vater lehrt, und zusammen mit Ihm der Heilige Geist: die Wirkungen der drei Personen sind untrennbar voneinander. Dies wird jedoch hauptsächlich dem Vater zugeschrieben, weil von Ihm der Sohn und der Heilige Geist ausgehen. Daher wird die Gnade, die die göttliche Güte insgeheim den Herzen der Menschen mitteilt, von niemandem aus Herzenshärte zurückgewiesen: da sie ja zuerst gegeben wird, um die Herzenshärte zu beseitigen. Warum also lehrt Er nicht alle, zu Christus zu kommen? Weil die, die Er lehrt, Er in Barmherzigkeit lehrt; und die, die Er nicht lehrt, lehrt Er nicht im Gericht. Aber wenn wir sagen, dass die, die Er nicht lehrt, lernen wollen, wird uns geantwortet: Warum heißt es dann: Willst du dich nicht wieder zuwenden und uns beleben? (Ps. 84,6) Wenn Gott nicht willige Herzen aus unwilligen macht, warum betet die Kirche nach dem Befehl unseres Herrn für ihre Verfolger? Denn niemand kann sagen: Ich glaubte, und deshalb rief Er mich; vielmehr rief ihn die zuvorkommende Barmherzigkeit Gottes, damit er glaube.