Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
46 Er kam nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte.In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank war. 47 Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, begab er sich zu ihm und bat ihn, hinabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben. 48 Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. 49 Der königliche Beamte bat ihn: Herr, komm herab, bevor mein Kind stirbt. 50 Jesus sagte zu ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. 51 Während er noch unterwegs war, kamen ihm bereits seine Diener mit der Meldung entgegen, dass sein Sohn lebe. 52 Da erkundigte er sich bei ihnen nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten ihm: Gestern um die siebte Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da erkannte der Vater, dass es in eben dieser Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt! Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Haus. 54 Das wiederum tat Jesus als zweites Zeichen, nachdem er von Judäa nach Galiläa gekommen war.
(tom. xvii. c. 60) Der Satz ist zweideutig. In der einen Auslegung bedeutet er, dass Jesus, nachdem er nach Galiläa gekommen war, zwei Wunder vollbrachte, von denen die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten das zweite war; in der anderen Auslegung bedeutet er, dass von den zwei Wundern, die Jesus in Galiläa vollbrachte, das zweite geschah, nachdem er aus Judäa nach Galiläa gekommen war. Letzteres ist der wahre und überlieferte Sinn. Mystisch bezeichnen die zwei Reisen Christi nach Galiläa seine zwei Ankünfte; (c. 56.). Bei der ersten macht er uns zu seinen Gästen beim Abendmahl und gibt uns Wein zu trinken; bei der zweiten erweckt er den Sohn des königlichen Beamten, der dem Tode nahe war, d. h. das jüdische Volk, das nach der Fülle der Heiden selbst zum Heil gelangt. Denn wie der große König der Könige der ist, den Gott auf seinen heiligen Berg Sion gesetzt hat, so ist der geringere König der, der seinen Tag sah und sich freute, d. h. Abraham. Und daher ist sein kranker Sohn das jüdische Volk, das vom wahren Glauben abgefallen und infolgedessen durch die feurigen Pfeile des Feindes in Fieber geworfen wurde. Und wir wissen, dass die Heiligen der Vorzeit, auch als sie die Hülle des Fleisches abgelegt hatten, das Volk zum Gegenstand ihrer Fürsorge machten: denn wir lesen in den Makkabäern nach dem Tod des Jeremias: Dies ist Jeremias, der Prophet des Herrn, der viel für das Volk betet. (2 Makk. 12) Abraham also bittet unseren Erlöser, seinem kranken Volk zu helfen. Wiederum ergeht das Wort der Kraft, Dein Sohn lebt, von Kana aus, d. h. das Werk des Wortes, die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten, geschieht in Kapernaum, d. h. im Land des Trostes. Der Sohn des königlichen Beamten bezeichnet die Klasse der Gläubigen, die zwar krank, aber doch nicht ganz ohne Früchte sind. Die Worte: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht, werden vom jüdischen Volk im Allgemeinen gesagt, oder vielleicht vom königlichen Beamten, d. h. Abraham selbst, in gewissem Sinne. Denn wie Johannes auf ein Zeichen wartete: auf den du den Geist herabschweben siehst; so erwarteten auch die Heiligen, die vor der Ankunft Christi im Fleische starben, dass er sich durch Zeichen und Wunder offenbaren würde. Und dieser königliche Beamte hatte sowohl Diener als auch einen Sohn; welche Diener für die niedere und schwächere Klasse der Gläubigen stehen. Und es ist kein Zufall, dass das Fieber den Sohn zur siebten Stunde verlässt; denn sieben ist die Zahl der Ruhe.