
Gregor der Große
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
46 Er kam nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte.In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank war. 47 Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, begab er sich zu ihm und bat ihn, hinabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben. 48 Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. 49 Der königliche Beamte bat ihn: Herr, komm herab, bevor mein Kind stirbt. 50 Jesus sagte zu ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. 51 Während er noch unterwegs war, kamen ihm bereits seine Diener mit der Meldung entgegen, dass sein Sohn lebe. 52 Da erkundigte er sich bei ihnen nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten ihm: Gestern um die siebte Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da erkannte der Vater, dass es in eben dieser Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt! Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Haus. 54 Das wiederum tat Jesus als zweites Zeichen, nachdem er von Judäa nach Galiläa gekommen war.
(Hom. in Evang. xxviii. 1, 2) Unser Herr deutet in Seiner Antwort an, dass Er in gewissem Sinne dort gegenwärtig ist, wohin Er eingeladen wird, selbst wenn Er von einem Ort abwesend ist. Er rettet durch Sein bloßes Wort, so wie Er durch Seinen Willen alle Dinge erschuf: Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt. Hier ist ein Schlag gegen jenen Stolz, der menschlichen Reichtum und Größe ehrt und nicht jene Natur, die nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Unser Erlöser, um zu zeigen, dass die Dinge, die bei den Menschen hochgeschätzt werden, von den Heiligen verachtet werden sollen, und die verachteten Dinge hochgeschätzt, ging nicht zum Sohn des Hauptmanns, sondern war bereit, zum Diener des Hauptmanns zu gehen.