Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 4
35 Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es, dann kommt die Ernte? Ich sage euch: Blickt umher und seht, die Felder sind weiß, reif zur Ernte. 36 Schon empfängt der Schnitter Lohn und sammelt Frucht ein für das ewige Leben; so freuen sich gemeinsam der Sämann und der Schnitter. 37 Denn hier bewahrheitet sich das Sprichwort: Einer sät, ein anderer erntet. 38 Ich habe euch ausgesandt zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.
(tom. xv. in Joan. c. 39–49) Wie können wir konsequent den Worten: Erhebt eure Augen, usw. eine allegorische Bedeutung geben und den Worten: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte, nur eine wörtliche? Dasselbe Auslegungsprinzip muss doch wohl auf das Letztere angewandt werden, das heißt auf das Erstere. Die vier Monate stellen die vier Elemente dar, d. h. unser natürliches Leben; die Ernte das Ende der Welt, wenn aller Kampf aufgehört hat und die Wahrheit siegen wird. Die Jünger betrachten also die Wahrheit als unbegreiflich in unserem natürlichen Zustand und erwarten das Ende der Welt, um zur Erkenntnis derselben zu gelangen. Aber diese Vorstellung tadelt unser Herr: Sagt nicht: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte? Siehe, Ich sage euch: Erhebt eure Augen. An vielen Stellen der Heiligen Schrift werden wir in gleicher Weise aufgefordert, die Gedanken unseres Geistes zu erheben, die so hartnäckig an der Erde hängen. Eine schwierige Aufgabe für den, der seinen Leidenschaften frönt und fleischlich lebt. Ein solcher wird nicht sehen, ob die Felder weiß sind zur Ernte. Denn wann sind die Felder weiß zur Ernte? Wenn das Wort Gottes kommt, um die Felder der Schrift zu erleuchten und fruchtbar zu machen. Ja, alle sinnlichen Dinge sind gleichsam weiß gewordene Felder für die Ernte, wenn nur die Vernunft bereit ist, sie zu deuten. Wir erheben unsere Augen und sehen das ganze Universum vom Glanz der Wahrheit überzogen. Und wer jene Ernten erntet, hat einen doppelten Lohn für seine Ernte; erstens seinen Lohn; Und wer erntet, empfängt Lohn; das bedeutet seinen Lohn im zukünftigen Leben; zweitens einen gewissen guten Zustand des Verstandes, der die Frucht der Betrachtung ist, Und sammelt Frucht zum ewigen Leben. Der Mensch, der die ersten Prinzipien einer Wissenschaft durchdenkt, ist gleichsam der Säer in dieser Wissenschaft; andere, die sie aufgreifen, ihnen nachgehen und neues Material einpfropfen, machen neue Entdeckungen, aus denen die Nachwelt eine reiche Ernte einbringt. Und wie viel mehr können wir dies in der Kunst der Künste erkennen? Der Same dort ist die ganze Heilsordnung des Mysteriums, jetzt offenbart, aber früher in Dunkelheit verborgen; denn solange die Menschen für die Ankunft des Wortes untauglich waren, waren die Felder ihren Augen noch nicht weiß, d. h. die gesetzlichen und prophetischen Schriften waren verschlossen. Mose und die Propheten, die der Ankunft Christi vorausgingen, waren die Säer dieses Samens; die Apostel, die nach Christus kamen und Seine Herrlichkeit sahen, waren die Schnitter. Sie ernteten und sammelten in Scheunen den tiefen Sinn, der unter den prophetischen Schriften verborgen lag; und taten kurz gesagt das, was diejenigen tun, die in ein wissenschaftliches System eintreten, das andere entdeckt haben, und die mit weniger Mühe zu klareren Ergebnissen gelangen als die, welche den Samen ursprünglich gesät haben. Aber die Säer und die Schnitter werden sich zusammen in einer anderen Welt freuen, in der alle Trauer und Klage hinweggenommen sein wird. Ja, haben sie sich nicht schon jetzt gefreut? Freuten sich nicht Mose und Elias, die Säer, mit den Schnittern Petrus, Jakobus und Johannes, als sie die Herrlichkeit des Sohnes Gottes bei der Verklärung sahen? Vielleicht bezieht sich in: Einer sät und ein anderer erntet, das eine und das andere einfach auf die, die unter dem Gesetz leben, und die, die unter dem Evangelium leben. Denn diese können sich beide zusammen freuen, da dasselbe Ziel für sie bereitet ist von einem Gott, durch einen Christus, in einem Heiligen Geist.